Ernst Barlach: Geistkämpfer

Ernst Barlach: Geistkämpfer, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen)

Daten zum Werk

Ernst Barlach: Geistkämpfer (Bronze, 1928).
Alter Markt/Nikolaikirche, 24103 Kiel.

Beschreibung

Auf dem Rücken eines zähnefletschenden, wilden Tieres steht aufrecht ein Engel mit nach oben gerecktem Schwert. Wer hier die Kontrolle hat, ist eindeutig: Mit seinem Schwert und seiner Kraft dominiert der Engel das Tier, ohne es zu vernichten. Der Engel repräsentiert das Geistige und die Kultur, während das Tier für das triebhafte Leben steht. Es ist also der Sieg der Menschlichkeit über das Dunkle.

Die fünfeinhalb Meter hohe Skulptur gliedert sich der Höhe nach in vier Teile, die sich nach oben hin verjüngen und damit eine dreieckige Grundform bilden. Ganz unten steht der Sockel, darüber das Tier, dann der Engel und ganz oben das Schwert. Das nach oben zeigende Schwert kann als die göttliche Kraft gesehen werden, die den Ausschlag für den Sieg gibt.

Den Auftrag zur Arbeit erteilte der damalige Stadtoberbaurat Willy Hahn direkt an den expressionistischen Bildhauer Ernst Barlach, zu der Zeit der bedeutendste Künstler des Landes. Dabei wurden ihm keine Vorgaben gemacht und er erhielt volle künstlerische Freiheit. Im Dezember 1928 wurde sie in aller Stille vor der Heiligengeistkirche aufgestellt. Viele Zeitgenossen lehnten jedoch die moderne Plastik ab und forderten die Entfernung. 1937 wurde sie auf Druck der Nationalsozialisten tatsächlich entfernt und wäre beinahe eingeschmolzen worden. Nur unter Mühen gelang es, das Kunstwerk zu verstecken und zu retten. Nach dem Krieg war lange Zeit unklar, was mit der Figur passieren würde, da die Besitzverhältnisse strittig waren. Nach intensiven Bemühungen konnte die Stadt Kiel die Plastik zurückkaufen, die dann im Juni 1954 an neuen Standort vor der St. Nikolaikirche aufgestellt wurde.

Künstler

Ernst Barlach wurde am 2. Januar 1870 in Wedel geboren. Einen Großteil seiner Kindheit verbrachte er in Ratzeburg. 1888–1891 studierte er an der Kunstgewerbeschule Hamburg, danach bis 1895 an der Kunstakademie in Dresden. Ab 1897 war er als freischaffender Künstler tätig. Die Einflüsse einer Reise nach Russland 1906 beeinflussten sein weiteres Werk. Ab 1910 nahm er regelmäßig an Ausstellungen der Berliner Secession, des Sonderbundes und beim Kunstsammler Paul Cassirer in Berlin teil. In diesem Jahr zog er auch nach Güstrow in Mecklenburg. Seine Werke umfassen vor allem Holzplastiken und Bronzen, aber auch Druckgrafiken, Zeichnungen und Literatur. Im Jahre 1937 wurden alle Werke Barlachs als entartet gekennzeichnet und aus den deutschen Museen entfernt. Ernst Barlach starb am 24. Oktober 1938 in Rostock an einem Herzinfarkt. Heute gilt er als bedeutendter Bildhauer Norddeutschlands. Werke des Künstlers werden u.a. in Güstrow, Ratzeburg und Hamburg ausgestellt.

Galerie

(Bilder anklicken für Großansicht)