Gustav Seitz: Lauschende

Gustav Seitz: Lauschende, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen)

Daten zum Werk

Gustav Seitz: Lauschende, (Bronze, 1967). 
Schloßvorplatz Konzerthalle, Burgstraße, 24103 Kiel.

Beschreibung

Hoch konzentriert und mit geschlossenen Augen sitzt die lauschende Frau in ihrem eleganten Abendkleid auf dem Platz vor dem Konzertsaal des Kieler Schlosses. Die Figur sitzt aufrecht, hat den Kopf leicht geneigt und die Hände locker in den Schoß gelegt. Durch die sitzende Haltung und das lange Kleid, welches bis zu ihren Füßen reicht, erscheint der ganze Körper als eine ruhige Einheit, keine Bewegung stört den geschlossenen Eindruck.

Die Bronzeplastik zeigt ein naturnahes, figürliches Bild der Frau, aber zugleich sind die Formen und die Oberfläche so stark vereinfacht und geglättet, dass auch eine leichte Abstrahierung vorliegt. Es wird also nicht eine möglichst realistische Abbildung angestrebt, sondern durch bewussten Verzicht auf Details eine verallgemeinerte Version. Anders ausgedrückt, zeigt das Kunstwerk nicht das Bild einer lauschenden Frau, sondern im größeren Maßstab das Erleben von Kultur, dargestellt am Beispiel einer einzelnen Frau aus dem Publikum.

Die Plastik ist eine der letzten großen Arbeiten, die der international bekannte Künstler vor seinem Tod anfertigte.

Künstler

Gustav Seitz wurde am 11. September 1906 in Neckerau bei Mannheim geboren. Bis 1924 machte er eine Ausbildung bei dem Bildhauer August Dursy in Ludwigshafen. Gleichzeitig nahm er Unterricht im figürlichen Zeichnen und kunstgewerblichen Entwerfen beim Maler und Graphiker W. Murano an der Gewerbeschule Mannheim. Anschließend studierte er an der Landeskunstschule Karlsruhe und danach an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg. In Berlin lebte er bis 1958. Er reiste viel ins europäische Ausland und suchte dort Anregungen für seine Arbeiten. 1943 wurden Atelier und Wohnung in Berlin durch Bomben zerstört, wodurch es zum Verlust aller dort gesammelten Arbeiten kam. Heute gilt Gustav Seitz als einer der bedeutendsten realistischen deutschen Bildhauer der Nachkriegszeit. Er stellte auf der documenta II (1959) und III (1964) in Kassel und der Biennale in Venedig (1968) aus und war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Gustav Seitz starb am 26. Oktober 1969 in Hamburg. Infos: Website der Gustav-Seitz-Stiftung

Galerie

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