Alfred Mahlau:
Totentanzfenster

Alfred Mahlau & Carl Berkentien: Totentanzfenster (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Alfred Mahlau: Totentanzfenster (1955–56)
St. Marienkirche, Totentanzkapelle, Marienkirchhof 1, 23552 Lübeck

Beschreibung

Nachdem im 15. Jahrhundert in Lübeck die Pest viele Menschenopfer forderte, entsteht 1463 in der Kirche zu St. Marien aus mittelniederdeutschen Reimversen und zugehörigen Bildern auf Leinwand der Totentanzfries als fortlaufende Bilderwand mit einer Länge von fast 30 Metern und einer Höhe von zwei Metern. 1701 wird der stark beschädigte Totentanz durch eine Kopie ersetzt. Beim Luftangriff auf Lübeck 1942 wird er vollständig zerstört.

Im Zeichen des Wiederaufbaus der Kirche in der Mitte der 1950er Jahre erhält der Grafiker Alfred Mahlau den Auftrag für zwei Bildfenster, die die Motive des historischen Totentanzes aufnehmen. Gemeinsam mit dem Lübecker Glasermeister Carl Berkentien (1870–1952) erstellt er die beiden rund 12 Meter hohen Darstellungen. Während das monumentale Vorbild die Geschichte in horizontaler Abfolge erzählt, staffelt Alfred Mahlau sie vertikal. Beide Fenster sind in sieben Ebenen mit jeweils drei Figuren unterteilt. Ungeachtet des Standes – egal ob Herrscher, Ritter oder niederes Volk – werden alle Personen vom Tod umgarnt. Ganz oben spielt der Tod auf der Flöte und legt damit das zentrale Motiv des Tanzes fest. Beide Fenster zeigen am unteren Rand das brennende Lübeck mit lodernden Flammen rings um die markanten Kirchtürme. Hiermit übertragen sie das historische, von der Pest geprägte Bild in das 20. Jahrhundert mit seiner eigenen Katastrophe.

Künstler/in

Alfred Mahlau wurde am 21. Juni 1894 in Berlin geboren. 1919 beendete er seine Ausbildung als Zeichenlehrer für Höhere Schulen und begann, als Künstler zu arbeiten. Er war mit großem Erfolg tätig als Werbe- und Gebrauchsgrafiker, Produktdesigner und später auch als Bühnenbildner. Als Maler und Zeichner beschäftigte er sich vielfach mit realistisch-idealisierten Landschaftsdarstellungen und hielt sich vom Einfluss moderner Kunstrichtungen eher fern. Im Dritten Reich wurde er in die „Gottbegnadetenliste“ aufgenommen. Nach Kriegende übernahm er 1946 die Leitung einer Freien Grafikklasse an der Hamburger Landeskunstschule und wurde 1955 zum Professor ernannt. Seine Hochschultätigkeit beendete er 1959. 1962 erhielt er Edwin-Scharff-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg. Nach schwerer Krankheit starb Alfred Mahlau am 22. Januar 1967 in Hamburg.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Galerie

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