Gustav Seitz:
Der Hüter

Gustav Seitz: Der Hüter (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2021)

Daten zum Werk

Gustav Seitz: Der Hüter (1960, Bronze)
Polizeikommissariat 24, Garstedter Weg 24, 22453 Hamburg (Niendorf)

Beschreibung

Als Kunst am Bau für das Polizeikommissariat in Niendorf gestaltete Gustav Seitz die Bronzeplastik Der Hüter, welche das Aufgabengebiet der Institution thematisiert. Doch die stilisierte Figur zog seinerzeit viel Unmut und Spott auf sich, da sich die Beamten nicht mit dem wachsamen Mann identifizieren wollten, der vor dem Gebäude Stellung bezogen hatte. Ein etwas älterer, nackter Mann, dessen Körper nicht den gewohnten Idealproportionen entspricht, steht dort aufrecht, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Auch das Gesicht macht nicht den kraftvoll entschlossenen Eindruck, den sich die Mitarbeitenden gewünscht hätten. So erinnert die Figur eher an den wachsamen Nachbarn, der das Fehlverhalten seiner Mitmenschen sorgfältig beobachtet und dokumentiert, als an einen Schutzmann oder Kommissar. Der Künstler präsentiert hier ganz bewusst keinen schneidigen jungen Mann, der seinen Dienst leistet, sondern einen betulichen Mann aus dem Volk, der auf die Arbeit der Polizisten vertraut und sich gut behütet fühlt. Somit erscheint die Figur eher als Symbolbild der Wachsamkeit denn als naturnahes Abbild.

Text: jp

Person

Gustav Seitz
Gustav Seitz wurde am 11. September 1906 in Neckerau bei Mannheim geboren. Bis 1924 machte er eine Ausbildung beim Bildhauer August Dursy in Ludwigshafen. Gleichzeitig nahm er Unterricht im figürlichen Zeichnen und kunstgewerblichen Entwerfen beim Maler und Graphiker W. Murano an der Gewerbeschule Mannheim. Anschließend studierte er an der Landeskunstschule Karlsruhe, an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst Berlin bei Ludwig Gies und war ab 1928 Meisterschüler von Wilhelm Gerstel bzw. 1933–1938 bei Hugo Lederer. 1943 wurden Atelier und Wohnung in Berlin samt, seiner gesammelten Arbeiten zerstört. Nachdem er 1946 einen Lehrstuhl an der Technischen Hochschule Berlin wahrnahm und 1950-1958 in der DDR lebte, zog er nach Hamburg um und lehrte bis 1969 Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste. Seit 1955 stellte er Plastiken und Zeichnungen im In- und Ausland aus und seine Werke sind in vielen deutschen Sammlungen vertreten. Er reiste viel ins europäische Ausland und suchte dort Anregungen für seine Arbeiten. Er stellte auf der documenta II (1959) und III (1964) in Kassel und der Biennale in Venedig (1968) aus und war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Gustav Seitz starb am 26. Oktober 1969 in Hamburg.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Text: hws

Galerie

(Bilder anklicken für Großansicht)