Horst Hellinger:
Schiffsbleche

Horst Hellinger: Schiffsbleche (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2020)

Daten zum Werk

Horst Hellinger: Schiffsbleche (1986/87, 24 Stahlplatten, je ca. 80 x 250 cm)
Spadenteich / St. Georgs Kirchhof, 20095 Hamburg (St. Georg)

Beschreibung

Für den Vorplatz der Dreieinigkeitskirche entwarf Horst Hellinger in den 1980er Jahren eine bizarre Platzgestaltung, die bis heute für Diskussionen sorgt. Auf der gepflasterten Fläche verankerte er in lockerer Aufstellung 24 rostige Stahlbleche, die jeweils über zwei Meter in Höhe ragen. Ursprünglich waren die Bleche Teile von Schiffen, welche im Hamburger Hafen abgewrackt wurden. Die ausrangierten Teile überführte der Künstler in eine Installation, die an den Niedergang der Werftindustrie erinnern will. Die einzelnen Stahlelemente tragen vielfältige Spuren ihrer Geschichte und mittlerweile auch die unterschiedlichsten Formen von Graffiti. Sie stehen ganz bewusst nicht in Reih und Glied, sondern wild durcheinander. So ist jedes einzelne Blech erkennbar ein Teil der großen Gruppe und bleibt doch ganz individuell – ganz so wie eine Gruppe von 24 Menschen, die sich auf dem Platz versammelt hat. Man könnte an Werftarbeiter denken, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, oder auch an Vertreter verschiedener Kulturen, die im Stadtteil ihre neue Heimat gefunden haben. Vor einigen Jahren wurde die Neuaufstellung im Hamburger Hafengebiet gefordert, um den Platz in St. Georg neu gestalten zu können, doch wurde dies verhindert.

Text: jp

Person

Horst Hellinger
Horst Hellinger wurde 1946 in Frontheim, Lübbecke geboren. Er lebte seit 1967 in Hamburg, wo er 1972–1977 sein Studium an der Hochschule für Bildende Kunst mit Schwerpunkt der Bildhauerei absolvierte. Verschiedene Arbeitsstipendien wie das der Stadt Hamburg (1982) oder dem Cité internationale des arts, Paris (1983), einem Studienaufenthalt in Rom (1986) oder einem Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn (1988) komplettierten seine Ausbildung. Seit 1972 nahm er an verschiedenen Einzel- und Gruppenausstellungen, mehrheitlich in Hamburg, aber auch in Bremen, Lübeck, Stuttgart und Düsseldorf teil. In der Zeit von 1983 bis 1998 unternahm er Studienreisen durch Frankreich und Südeuropa. Ab 1989 hatte er ein Atelier im Hamburger Künstlerhaus Weidenallee und nahm ab 1991 eine Professur für Plastik an der Fachhochschule für Kunst und Design in Hannover an. Begriffliche Gegenpole von Innen und Außen, Vorder- und Rückseite sowie Auswahl und Auseinandersetzung mit den seinerseits eingesetzten Materialien gehörten zu seinem Schaffensalltag. Zusammen mit Fundstücken, rostigen Metallen und besonders markanten Steinen als Materialien konnte er seinen künstlerischen Zielvorstellungen in der Vermittlung von Denkanstößen am besten vermitteln. Er war Mitglied der Freien Vereinigung bildender Künstler in Hamburg und der niedersächsischen Kunstkommission. Horst Hellinger starb am 29. März 1999 in Hamburg.

Text: hws

Galerie

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