K-L Schmaltz: Straßenboje

Daten zum Werk

K-L Schmaltz: Straßenboje (Edelstahl, 1976).
Campus der Fachhochschule, Sokratesplatz, 24149 Kiel.

Beschreibung

Der Größe nach angeordnet, säumen sechs geometrische Formen aus matt glänzendem Edelstahl den Weg zwischen Hochhaus und Mehrzweckbau an der Fachhochschule. Die sechs Elemente sind alle ähnlich aufgebaut und erinnern in ihrer regelmäßigen Formensprache an Kristalle, die auf das Zigtausendfache ihrer natürlichen Größe gewachsen sind. Während das größte der sechs Elemente fast vollständig sichtbar ist, wirken die anderen Teile so, als wäre der Rest in der Erde vergraben. Man fühlt sich an Eisberge erinnert, von denen auch nur die Spitze über der Wasseroberfläche sichtbar ist.

Interessant an der Plastik ist, dass man als Betrachter den Eindruck hat, nicht sechs unterschiedliche Figuren zu sehen, sondern eine einzige, die sich langsam aus dem Boden erhebt oder – je nach Standort und Blickrichtung – dort verschwindet. Ähnlich wie in einem Filmstreifen oder Comicstrip, sind die sechs Zustände also räumlich nebeneinander angeordnet, obwohl sie zeitlich aufeinander folgen.

Dieses Spiel mit Raum, Zeit und Form spiegelt sich auch in der kühlen Konstruktion des technisch glänzenden Edelstahls. Die sechs Bojen sind aus geometrischen Flächen zusammengesetzt und bilden keine realen Gegenstände oder gar Lebewesen ab. Und weil sie so eindeutig am Zeichenbrett entstanden sind, wird auch deutlich, dass Künstler K-L Schmatz hier eine Idee darstellen will, für die es eigentlich gar kein Bild gibt. Damit findet er eine gelungene Antwort auf die Frage, wie er etwas zeigen kann, was sich eigentlich nicht zeigen lässt: den Ablauf der Zeit in einer unveränderlichen Form aus Edelstahl.

Wer sich noch ein wenig Zeit beim Erkunden des Kunstwerks nimmt, entdeckt im größten der sechs Elemente der Straßenboje winzige Öffnungen an mehreren Stellen, die die Neugier wecken. Und tatsächlich erlebt man beim Blick durch diese Öffnungen eine Überraschung: Im Inneren des hohlen Körpers schwebt ein ähnlich aussehender, kleiner Körper.

Bis Oktober 2015 stand die Plastik am UKSH auf dem Kieler Westufer. Wegen der umfangreichen Bauarbeiten am Uniklinikum wurde die Plastik dann nach gründlicher Restaurierung auf dem Campus der Fachhochschule in Neumühlen-Dietrichsdorf installiert. Die Arbeit gewann Mitte der 1970er Jahre den 1. Preis im Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung der Hauptfußgängerzone des Universitätsklinikums und war Teil eines Konzeptes aus drei Elementen. Neben der sechsteiligen Straßenboje waren in ähnlicher Formensprache noch ein zwölfeckiger Brunnen aus quadratischen Elementen (nicht verwirklicht) und die kinetische Freiplastik Makrokern 375 geplant, die heute am Westring aufgestellt ist.

Weitere Infos: FH Kiel

Künstler

K-L Schmaltz (Karl-Ludwig Schmaltz) wurde 1932 in Vellahn/Mecklenburg geboren. Er studierte ab 1951 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, dann 1954–1955 an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und 1955–1962 Architektur an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. Seit 1962 arbeitet er in seinem Atelier in Düsseldorf. Der konstruktiv-stereometrischen Kunst wandte er sich ab 1967 zu.

Galerie

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