Rudolf Zieseniss:
Amazone

Rudolf Zieseniss: Amazone (Foto: Jan Petersen / Kunst@SH, 2021)

Daten zum Werk

Rudolf Zieseniss: Amazone (1925, Bronze, aufgestellt 1935)
Kurpark, Am Kurpark 12, 23669 Timmendorfer Strand

Beschreibung

Im Kurpark Timmendorfer Strand steht ein bronzenes Reiterstandbild, besser: ein Reiterinnenstandbild. Denn hoch zu Ross ist dort nicht etwa ein Monarch oder Feldherr zu sehen, sondern eine Frau. Und das gänzlich unbekleidet. Die Statue von Rudolf Zieseniss stellt eine Amazone dar, eine aus der Mythologie bekannte weibliche Kriegerin. Das Pferd mit sorgfältig frisierter Mähne steht auf einer Plinthe und hat den Kopf leicht nach rechts gedreht. Die Frau sieht auf dem Rücken des Pferdes, nicht vornehm im Damensattel, sondern wie eine richtige Reiterin. Die Hände liegen auf dem Hals und dem Rücken des Pferdes, sodass der Oberkörper der Frau seitlich eingedreht ist. Der Kopf ist entgegengesetzt gedeht und schaut in die gleiche Richtung wie das Pferd. Die Haltung von Mensch und Tier ist arrangiert und stellt die Körper der beiden in den Mittelpunkt. Die Darstellung ist von großer Klarheit geprägt. Die Plastik steht ebenerdig ohne Sockel im Park.

Das Werk wurde 1935 als Geschenk des damaligen Regierungspräsidenten Heinrich Böhmker aufgestellt und traf offenbar dem traditionalistisch geprägten Geschmack der neuen, nationalsozialistischen Herrschenden. Doch entstand es bereits zehn Jahre früher und entspricht vielmehr dem freien und modernen Geist der Zwanziger Jahre als jenem rückständigen des Dritten Reiches.

Text: jp

Person

Rudolf Zieseniss
Rudolf Zieseniss (auch Ziesenis oder Zieseniß) wurde am 4. Mai 1883 in Köln geboren. Ab 1902 lernte er an der Großherzoglich Badischen Kunstschule in Karlsruhe bei Hermann Volz, dann bis 1911 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Karl Janssen. 1907 schuf er eine Marmorstatue des Apostels Paulus für die Basilika in Trier. Nach dem Militärdienst im Ersten Weltkrieg war er in Düsseldorf als Bildhauer und Porträtmaler tätig. Ein Schwerpunkt seiner Arbeiten waren Darstellungen aus dem Leben der Bergarbeiter, weibliche Akte und Bildnisse. Auf der Großen Deutschen Kunstausstellung 1941 in München war er mit dem Werk Der Flieger W. vertreten. Rudolf Zieseniss starb am 4. April 1959 in Düsseldorf.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Text: jp

Galerie

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