Thomas Schütte:
Die Fremden

Thomas Schütte: Die Fremden (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Thomas Schütte: Die Fremden (Keramik, farbig glasiert, 1992).
Musik- und Kongresshalle (MuK), Willy-Brandt-Allee 10, 23554 Lübeck.

Beschreibung

Beim Blick hinweg über die Untertrave zur Musik- und Kongresshalle sieht man am äußerten Rand des Daches mehrere farbige Figuren nebeneinander aufgereiht. Aus der Ferne fallen zunächst vor allem die wechselnden Farben und Formen auf. Beim genaueren Hinsehen sind vier menschliche Figuren und mehrere Gegenstände zu erkennen. Eine Frau, zwei Männer und ein Kind sowie Gegenstände, die Gepäckstücke sein könnten, stehen beisammen, ohne jedoch eine gemeinsame Gruppe zu bilden. Die Abstände sind gleichmäßig verteilt, und niemand schaut sich an: Frau und Kind blicken nach vorn zur Trave, die beiden Männer schauen jeweils in entgegengesetzte Richtungen, alle vier mit den Händen eng am Körper und (vermutlich) in Gedanken bei sich. Wie der Titel der Installation bereits verrät, bleiben sie einander fremd. Dabei wäre es leicht, miteinander Kontakt aufzunehmen und die Isolation aufzubrechen.

Der Künstler Thomas Schütte stellt die Figurengruppe zusammen mit weiteren Elementen 1992 auf der Documenta IX in Kassel aus. Nach dem Ende der Ausstellung wird das gesamte Ensemble in drei Einheiten aufgeteilt. Eine dieser Einheiten wird von der Possehl-Stiftung für Lübeck erworben, eine weitere Einheit verbleibt in Kassel. Durch die Installation auf dem Dach der Halle überwiegt die Fernwirkung der Figurengruppe, da eine Sicht auf die Details nur mit technischen Hilfsmitteln möglich ist.

Künstler/in

Thomas Schütte wurde 1954 in Oldenburg geboren. 1973–1981 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf bei Fritz Schwegler und Gerhard Richter. Seit Ende der 1970er Jahre sind seine Arbeiten auf zahlreichen Ausstellungen in Galerien und Museen zu sehen gewesen, 1980 hatte er eine erste Einzelausstellung, ab 1986 auch in Museen. 1987 (VIII), 1992 (IX) und 1997 (X) war er Teilnehmer der documenta in Kassel. 2005 erhielt er den „Golden Löwen“ für den besten Künstler auf der Biennale in Venedig. Der Zeichner und Bildhauer erweiterte sein künstlerisches Spektrum um Grafiken. In 2016 eröffnete er in der Nähe des Museums Insel Hombroich seine eigene Skulpturenhalle, in der er fremde Werke ausstellt. Thomas Schütte lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Galerie

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