Timm Ulrichs:
Denkmal für Wolfgang Borchert

Timm Ulrichs: Denkmal für Wolfgang Borchert (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2020)

Daten zum Werk

Timm Ulrichs: Denkmal für den „unbehausten Dichter“ Wolfgang Borchert
(1996, Bronze, zwei Steinblöcke)
Östliches Außenalsterufer, Literaturhaus, Schwanenwik, 22087 Hamburg (Uhlenhorst)

Beschreibung

Am östlichen Ufer der Außenalster vor dem Literaturhaus steht das von Timm Ulrichs gestaltete Denkmal für den Dichter Wolfgang Borchert (* 1921, † 1947). Es besteht aus einer schlichten Bronzeplastik in Form eines Hauses, das leicht erhöht auf zwei Steinblöcken ruht. Die Vorderseite trägt die Aufschrift WIR SIND DIE GENERATION OHNE BINDUNG UND OHNE TIEFE. UNSERE TIEFE IST DER ABGRUND. Auch die Rückseite trägt eine Aufschrift: WIR SIND EINE GENERATION OHNE ABSCHIED, ABER WIR WISSEN, DASS ALLE ANKUNFT UNS GEHÖRT. Beides sind Zitate aus dem Prosastück „Generation ohne Abschied“, darunter sind die Lebensdaten des Dichters genannt. An den beiden Schmalseiten sind als Negativform zwei Handabdrücke zu sehen, die sich ins Innere der Plastik fortsetzen. Die genaue Bedeutung dieser Handabdrücke erschließt sich erst beim Blick auf die begleitende Informationstafel: Im Inneren findet sich die lebensgroße Hohlform eines stehenden Menschen mit seitlich ausgestreckten Armen. Die Öffnung für die beiden Füße lässt sich unten ertasten. Das in privater Initiative und durch Spendengelder erstellte Denkmal verzichtet bewusst auf eine klassische figürliche Darstellung des Geehrten und wählt stattdessen eine abstrahierende, konzeptuelle Gedenkform. Die Metapher des Hauses verweist sowohl auf das bekannte Drama „Draußen vor der Tür“ wie auch auf den Verlust der Heimat als ruhelosen, seelischen Zustand. Die Einweihung fand anlässlich des 75. Geburtstags von Wolfgang Borchert statt.

Text: jp

Person

Timm Ulrichs
Timm Ulrichs wurde am 31. März 1940 in Berlin geboren. In den Kriegswirren nach Niedersachsen geflohen, zog er 1954 nach Bremen und nahm nach dem Schulabschluss 1959 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Hannover auf. Nach Abbruch des Studiums 1966 arbeitete er als freier Künstler. Seit 1966 stellt er jährlich in Einzel- und Gruppenausstellungen mehrheitlich in Deutschland aber auch in Österreich, Ungarn, Belgien, Frankreich und Holland aus, wozu es begleitend eine Vielzahl von Ausstellungskatalogen gab. Er war Teilnehmer der documenta 6 in Kassel (1976) und von 1977-2001 aktiv mit Arbeiten im öffentlichen Raum vertreten. Er erhielt ein Vielzahl von Preisen und Auszeichnungen, wovon insbesondere der Förderpreis für Literatur des Niedersächsischen Kunstpreises (1976), der Deutscher Kritikerpreis für den Bereich Bildende Kunst (1976), der Preis des Deutschen Künstlerbundes (1985), der mfi Preis für Kunst am Bau für sein Projekt Versunkenes Dorf und der Käthe Kollwitz-Preis 2020 zu nennen sind. Als selbsternannter „Totalkünstler“ (1959) aktiv, gründet er 1961 die “Werbezentrale für Totalkunst & Banalismsus” mit “Zimmer-Galerie & Zimmer-Theater” und 1969 eine “Kunstpraxis” (“Sprechstunden nach Vereinbarung”), ernannte sich selbst zum „ersten lebenden Kunstwerk“ und benannte die Originalität der Idee zu seiner künstlerischen Maxime. Er war 1969-70 Gastprofessor an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und hatte 1972 –2005 eine Professur an der Kunstakademie Münster. Timm Ulrichs lebt in Hannover, Münster und Berlin

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Text: hws

Galerie

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