Charles Crodel:
Fenster der Kirche zu Handewitt

Charles Crodel: Fenster der Kirche zu Handewitt (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2022)

Daten zum Werk

Charles Crodel: Fenster der Kirche zu Handewitt (1965, Bleiverglasung)
Ev. Kirche zu Handewitt, Kirchberg, 24983 Handewitt

Beschreibung

Die mittelalterliche Kirche zu Handwitt wurde durch einen Blitzschlag 1882 fast völlig vernichtet. Der Wiederaufbau erfolgte im neugotischen Stil auf den Grundmauern der alten Kirche, deren erhalten gebliebener Kirchturm integriert wurde. Zu dieser Zeit entstanden auch die Fenster im Kirchenschiff und Chorraum. Für den Turmraum im Eingangsbereich gestaltete Charles Crodel anlässlich der Renovierung der Kirche im Jahre 1965 zwei Fenster, ein kleineres an der Südwand des Turmes und ein größeres, neungeteiles im ehemaligen Eingang auf der Westseite. Die Fenster sind erzählerisch gestaltet und verweisen auf Themen der Bibel, bleiben jedoch offen für freie Assoziationen. Die Fenster zeigen eine harmonisch ausbalancierte Farbgestaltung in leicht gedämpften Farbtönen mit starker Binnenzeichnung.

Das Südfenster verbindet die Geschichte von Adam und Eva aus dem Alten Testament im unteren Bereich mit der Darstellung des lehrenden Jesus aus dem Neuen Testament, möglicherweise die Bergpredigt. Somit verweist das Fenster auf den Sündenfall und die Verheißung der Erlösung durch Jesus Christus gleichermaßen.

Das Westfenster besteht aus drei mal drei quadratischen Bildfeldern, die in chronologischer Abfolge das Leben Jesu darstellen. Die drei unteren Bildfelder zeigen die Ankündigung der Geburt, die Geburt im Stall und die Flucht nach Ägypten, die drei mittleren Bildfelder die Gefangennahme Kreuzigung und Grablegung Jesu und schließlich die drei oberen Bildfelder die Frauen am leeren Grab, die Auferstehung und die Emmausjünger.

Text: jp

Person

Charles Crodel
Carl Fritz David „Charles“ Crodel wurde am 16. September 1894 in Marseille geboren. 1914 begann er ein Studium bei Richard Riemerschmid an der Kunstgewerbeschule in München, wo er bereits erste Glasmalereien und Glasmosaiken schuf. Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er an der Universität Jena Klassische Archäologie sowie Kunstgeschichte. 1920-28 war er Vorstandsmitglied des Jenaer Kunstvereins. 1921 erwarb er den Gesellenbrief im Lithographen- und Druckereihandwerk bei der Handwerkskammer Weimar. Nach einem Parisaufenthalt 1926 mit Gerhard Marcks und dem Besuch der Académie de la Grande Chaumière wurde er Anfang 1927 als Lehrer für Malerei und Graphik an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein berufen. 1930 erhielt er den Albrecht-Dürer-Preis der Stadt Nürnberg. 1931 erhielt er den Villa-Romana-Preis in Florenz. 1933 wurde er aus dem Lehramt und als Werkstättenleiter entlassen, es folgten die Entfernung und Zerstörung vieler seiner Werke. 1945 wurde er an die Hochschule für angewandte Kunst in Dresden berufen und lehrte bis 1951 erneut an der Burg Giebichenstein. 1951-63 lehrte er an die Akademie der Bildenden Künste München. Dort wurde er Mitglied des Deutschen Werkbundes und des Deutschen Künstlerbundes. 1958–65 hatte er zudem Gastprofessuren in den USA. Zuletzt unterrichtete er noch bis zu seinem Tode an der Münchener Kunstfachschule für Bühne und Mode. Er schuf zahlreiche Altäre, Glasmalereien, Wandmalereien und Keramiken in vielen Orten Deutschlands. Seine Bildfenster und baubezogene Keramiken für mehr als 150 Kirchen werden zu bedeutendsten Bildschöpfungen der Moderne in Deutschland gezählt. Charles Crodel starb am 28. November 1973 in München.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Galerie

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