Georg Kolbe:
Junger Streiter

Georg Kolbe: Junger Streiter (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Georg Kolbe: Junger Streiter (1935, Bronze)
Marineschule Mürwik, Innenhof, Kelmstraße 14, 24944 Flensburg

Beschreibung

Im Innenhof der Marineschule Mürwik stehen zwei männliche Aktfiguren, die in der Mitte der 1930er Jahre entstanden: Der Kämpfer von Fritz Klimsch und Georg Kolbes Junger Streiter. Beide Skulpturen zeigen einen starken Ausdruck in Körperhaltung, Gestik und Mimik. Georg Kolbes athletischer junger Mann steht aufrecht auf einer Plinthe nur knapp über Bodenhöhe. Der linke Fuß ist ein wenig nach hinten gesetzt, sodass das Bein leicht angewinkelt ist. Der Oberkörper ist etwas nach hinten geneigt und gegen die Körperachse eingedreht. Beide Hände sind geballt, doch wirken sie nicht kampfeslustig. Die Haltung der Arme ist offen, ohne auf ein bestimmtes Ziel gerichtet zu sein – der linke weist nach vorn, der rechte angewinkelt zur Seite. Auch die Mimik zeigt eher ein Abwarten als klare Entschlossenheit.

Die naturalistische Darstellung des kräftigen jungen Mannes entsprach den damals politisch erwünschten Heldenbildern. In den Details jedoch zeigt sich kein Held. Für einen Heldenmythos fehlt ihm die Entschlossenheit, die Körperhaltung erscheint weder kraftvoll noch ausbalanciert. Fast wirkt es, als würde er erschreckt zurückweichen angesichts dessen, was er vor sich wahrnimmt.

Das Gelände der Marineschule ist nur mit Ausnahmegenehmigung zugänglich.

Künstler/in

Georg Kolbe wurde am 15. April 1877 in Waldheim, Sachsen geboren. Nach einer Ausbildung zum Maler an der Kunstgewerbeschule in Dresden sowie an der Kunstakademie in München ging der spätere Bildhauer und Medailleur 1897 nach Paris, um an der Académie Julian zu studieren. 1898–1901 lebte er in Rom, wo er unter Anleitung Louis Tuaillons mit bildhauerischen Versuchen im Modellieren von Portraitköpfen begann. Aktfiguren mit betontem Ausdruck bestimmten ab 1910 seine Motive. 1904 zog Kolbe nach Berlin, wo er bis zu seinem Lebensende lebte. 1905 gehörte er zu den ersten Trägern des Preises der Villa Romana, Florenz. Reisen wie 1913 nach Ägypten oder die Berufung nach Istanbul prägten seine Stilentwicklung. Bis 1935 waren etliche seiner öffentlich aufgestellten Werke von den Nationalsozialisten beseitigt worden. Als letzter Präsident des Deutschen Künstlerbundes (ab 1936 verboten) engagierte er sich vergeblich für die als „entartet“ eingestuften Kollegen. Die gerade laufende Jahresausstellung im Kunstverein Hamburg wurde zwangsweise geschlossen. Er nahm von 1937 bis 1944 regelmäßig mit Skulpturen an der Großen Deutschen Kunstausstellung im Haus der Kunst in München teil. Im ehemaligen Atelier- und Wohnhaus des Künstlers (heute Georg Kolbe Museum Berlin) werden etwa 200 Skulpturen sowie 1500 Zeichnungen und Graphiken aufbewahrt. Georg Kolbe starb am 20. November 1947 in Berlin.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Galerie

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