Thomas Helbing:
Kaspar Hauser

Thomas Helbing: Kaspar Hauser (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2020)

Daten zum Werk

Thomas Helbing: Kaspar Hauser
(1999, Bronze und Stahl, 250 x 40 x 280 cm)
Baltic-Schule, Schulhof, Karavellenstraße 2-4,23558 Lübeck

Beschreibung

Kaspar Hauser war ein Jugendlicher, der Anfang des 19. Jahrhunderts für Aufsehen sorgte. Im Alter von etwa 16 Jahren tauchte er plötzlich auf und war körperlich und geistig stark verwahrlost. Es heißt, er habe zuvor sein ganzes Leben allein in einem dunklen Raum verbracht. Wenige Jahre später starb er unter mysteriösen Umständen. Die genauen Gegebenheiten seines Leben und seines Todes sind nicht zweifellos geklärt, doch sein Name gilt bis heute als Synonym für die schweren psychischen Folgen die auftreten, wenn Kinder emotional vernachlässigt aufwachsen.

Thomas Helbing hat sich von der Geschichte für seine Plastik an der Baltic-Schule inspirieren lassen. Auf einem Stahlträger schwebt ein Bronzerelief im Raum, das von beiden Seiten zu betrachten ist. Es ist auf beiden Seiten zweigeteilt. Jeweils ein Drittel zeigt die Gesichts-Abdrücke von insgesamt fünf jugendlichen Personen, während die übrigen zwei Drittel einen fragmentierten Körper zeigen, sowie einen etwa quadratischen Durchbruch in der Relieffläche. Die fragmentierte Person ist ein Sinnbild für Kaspar Hauser, der sich durch die Vernachlässigung nicht als Mensch entfalten konnte. Thomas Helbing verwendet den Ausdruck „Bildungstorso“, um die Person zu charakterisieren. Er konnte weder Wissen noch ein wirkliches Bewusstsein entwickeln.

Ihm gegenüber stehen die fünf jugendlichen Gesichter. Hierbei handelt es sich um Schülerinnen und Schüler der Baltic-Schule, die gemeinsam mit dem Künstler am Werk arbeiteten und Einblicke in die Entstehung der Plastik erhielten. So trägt die fertige Plastik viele Facetten in sich, den Kontrast zwischen den gebildeten heutigen Schülern und dem ungebildeten „Wilden“, zwischen den nach realen Vorbildern entstandenen Gesichtern und der frei gestalteten Figur des Kaspar Hauser. Sie thematisiert die Rolle der Bildung ebenso wie die gesellschaftliche Teilhabe.

Künstler:in

Thomas Helbing wurde 1959 in Lübeck geboren. Nach einer Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer 1978–1981 in Hamburg, studierte er 1981–1987 Kunstgeschichte an der Universität Hamburg und machte 1987 seinen Magister mit einer Arbeit über den Bildhauer A. Rodin. 1988–1994 studierte er Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und war 1994 Meisterschüler von Prof. Hans Lander. Er ist sowohl auf dem Sektor Skulptur und Plastik als auch Zeichnung und Grafiken tätig. 2002 erhielt er ein Stipendium der Dr. Günter Schirm Stiftung. 2007 gründete er die Bildhauerschule in Barnitz, bildete deutsche und dänische Künstler aus. 2015 machte er eine Ausbildung zum Kulturvermittler von Schleswig Holstein. Er ist Mitglied des BBK Schleswig Holstein, der Gemeinschaft der Lübecker Künstler als auch von TraveArt und hatte zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen. Er lebt und arbeitet heute in Barnitz.

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Galerie

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