Anke Müffelmann:
Lappentypologie – schwarz

Anke Müffelmann: Lappentypologie – schwarz (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Anke Müffelmann: Lappentypologie – schwarz (Keramik, 2017)
Fachhochschule Kiel, Großes Hörsaalgebäude, Sokratesplatz, 24149 Kiel

Beschreibung

An einer hellgrauen Wand im Großen Hörsaalgebäude der Fachhochschule fällt ein dunkelgraues Relief ins Auge. Auf quadratischem Untergrund hängen sauber aufgereiht zwanzig unterschiedliche Objekte. Was auf dem ersten Blick wie eine wissenschaftliche Sammlung von Insekten oder ähnlichem wirkt, entpuppt sich als das keramische Abbild von ausgewrungenen Wischlappen, gleichmäßig dunkel eingefärbt. Formal ist es eine Mischung aus serieller Abfolge und Ordnung sowie individueller Variation. Die unterschiedlichen Formen der Lappen laden das Auge zur schrittweisen Erkundung der Formen ein, um Ähnlichkeiten und Unterschiede zu erkennen. In der keramischen Umsetzung erhält das weiche und formbare Material des Lappens eine feste Gestalt, und der Alltagsgegenstand wird zum Objekt der Betrachtung. Auf diese Weise wird er mit einer zusätzlichen Bedeutung aufgeladen, die zum Nachdenken anregt.

Die Keramikerin Anke Müffelmann bietet in ihrer Installation Lappentypologie – schwarz nicht nur ein Spiel fürs Auge, sondern stellt den Wischlappen ganz bewusst als Motiv in den Mittelpunkt. Dieses alltägliche Gebrauchsstück ist ein Hinweis auf die harte körperliche Arbeit, die vor allem Frauen ganz selbstverständlich und zumeist ohne entsprechende Wertschätzung seit Jahrhunderten leisten, und die auch heute noch vielfach den Frauen zugewiesen wird – zumeist unbezahlt. Zugleich stellt die Künstlerin auch die Frage in den Raum, was alles mit Hilfe der Wischlappen gereinigt und „unter den Teppich gekehrt“ werden soll – der Lappen als Symbol fürs Verdrängen und Vergessen.

Künstler/in

Anke Müffelmann wurde 1963 in Hamburg geboren. 1983–84 studierte sie Kunstgeschichte in Hamburg, sowie 1983–89 an der Fachhochschule Kiel Druckgrafik bei Ekkehard Thieme und Fritz Bauer. 1990–91 studierte sie Malerei und Keramik bei Angelo de Sousa und Joaquim Machado an der Escola Belas Artes do Porto in Portugal, danach 1992–94 an der Muthesius Hochschule in Kiel Keramik bei Prof. Johannes Gebhardt. 1994 war sie Erasmus-Stipendiatin bei Paul Brand (Malerei und Raum-Installation) an der Statens Kunstakademi Oslo in Norwegen. 1995 legte sie an der Muthesius Hochschule Kiel ihre Diplomprüfung bei Prof. Dr. Kerstin Abraham (Klasse: Keramische Plastik) ab. 2005-08 studierte sie nebenberuflich an der Christian Albrecht Universität zu Kiel Europäische Ethnologie, Allgemeine Sprachwissenschaft und Kunstgeschichte. Seit 1998 ist sie freiberuflich tätig als Künstlerin, Schwerpunkt keramische Plastik im eigenes Atelier in Kiel. Sie ist Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler Schleswig Holstein und war 2007–11 Mitglied des BBK Vorstandes. Seit 2011 ist sie im Vorstand des Kunstvereins Haus 8 e.V., Atelierhaus im Anscharpark, Kiel. Sie erstellt Installationen und Objekte aus Keramik und hatte zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und Europa. Anke Müffelmann lebt und arbeitet in Kiel.

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Galerie

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