Ernst Barlach:
Gemeinschaft der Heiligen

Ernst Barlach: Gemeinschaft der Heiligen (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Ernst Barlach: Gemeinschaft der Heiligen (Keramik, 1930-33, aufgestellt 1947)
Katharinenkirche, Westfassade, Königstraße 27, 23552 Lübeck

Beschreibung

Ernst Barlach ist bereits ein weithin bekannter und angesehener Künstler, als die Idee geboren wird, sechzehn leere Nischen an der Fassade der gotischen Lübecker Katharinenkirche mit überlebensgroßen Figuren zu füllen. Auf diese Weise soll die nicht mehr religiös genutzte mittelalterliche Kirche aufgewertet werden. Für die schmalen Nischen sind Einzelfiguren geplant, die jeweils als teils suchende, teils leidende Personen in individueller Form erscheinen und doch sichtbar eine Art Familie bilden. Der Ausdruck Gemeinschaft der Heiligen, den der damalige Lübecker Museumsdirektor Carl Georg Heise prägt, unterstreicht diese Zusammengehörigkeit der Figuren. Er meint keine Heiligen im kirchlichen Sinne, sondern Menschen, die durch ihr Verhalten und ihren Geist geheiligt sind und ihre eigene Würde erhalten.

In den Jahren 1930 bis 1933 entstehen unter großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten die ersten drei Figuren: Die Frau im WindDer Bettler auf Krücken sowie Der Singende Klosterschüler, die zunächst im Inneren der Kirche aufgestellt werden. Die Fortsetzung der künstlerischen Arbeit wird ab 1933 von den neuen Machthabern unterbunden. Vor der Zerstörung als angeblich undeutsche Kunst werden sie nur mit Mühe gerettet. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden sie nach langwierigen Verhandlungen 1947 an der Fassade der Kirche angebracht und zieren dort bis heute die drei linken Nischen oberhalb des Eingangsportals. Ernst Barlach selbst ist zu diesem Zeitpunkt schon fast zehn Jahre tot.

Der Bettler ist ein ausgemergelter Mann, der sich dennoch genauso aufrecht hält wie seine Begleiter – das Elend hat ihn gezeichnet, aber nicht gebrochen. Ihm zur Seite stehen zwei stillere Figuren, die ihre Würde durch ihre gesammelte innere Haltung ausstrahlen. Beide Figuren sind in der formalen Gestaltung stärker blockhaft reduziert als der detaillierter scheinende Bettler. Weitere geplante Figuren wie der Gefesselte, die Sünderin oder auch der Geiger können von Ernst Barlach nicht mehr ausgeführt werden. Sein Werk wird ab 1947 durch sechs Figuren von Gerhard Marcks ergänzt: Christus als Schmerzensmann, Der Brandstifter, Die Jungfrau, Mutter und Kind, Kassandra sowie Der Prophet.

Künstler/in

Ernst Barlach wurde am 2. Januar 1870 in Wedel (Schleswig-Holstein) geboren. Aufgewachsen in Wedel zog er 1877 nach Ratzeburg. 1888–1891 wurde er als Zeichenlehrer an der allgemeinen Gewerbeschule in Hamburg bei Theodor Richard Thiele und Peter Woldemar ausgebildet. 1891–1895 studierte er an der Kunstakademie Dresden bei Robert Diez, dessen Meisterschüler er war. 1895–1896 war er an der Académie Julian, Paris. Ab 1897 war er als freischaffender Künstler tätig und lebte 1899–1901 in Berlin. Ab 1907 nahm er an Ausstellungen u.a. der Berliner Secession in Berlin teil. 1909 erhielt er ein Stipendium für die Villa Romana, Florenz. Eine Vielzahl von Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften würdigten den Künstler und Schriftsteller. 1937 wurden mehr als 400 seiner Werke als entartet aus den deutschen Museen entfernt. Seine Arbeiten sind in internationalen Sammlungen vertreten. Werke des Künstlers wurden posthum auf der documenta 1 (1955) und documenta III (1964) in Kassel gezeigt bzw. sind u.a. in Ernst-Barlach-Museen zu sehen. Ernst Barlach starb am 24. Oktober 1938 in Rostock.

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Galerie

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