Gerhard Marcks:
Gemeinschaft der Heiligen

Gerhard Marcks: Gemeinschaft der Heiligen (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Gerhard Marcks: Gemeinschaft der Heiligen (1947–48, Keramik)
Katharinenkirche, Westfassade, Königstraße 27, 23552 Lübeck

Beschreibung

In den Jahren 1930 bis 1933 gestaltet Ernst Barlach für die Fassade der Lübecker Katharinenkirche drei Figuren: Die Frau im WindDer Bettler auf Krücken sowie Der Singende Klosterschüler. Die weiteren der ursprünglich sechzehn geplanten Figuren können aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nicht ausgeführt werden. Auch diese drei Figuren missfallen den neuen Machthabern ab 1933 und sollen zerstört werden. Erst 1947 werden sie nach langwierigen Verhandlungen am geplanten Ort aufgestellt. Ernst Barlach ist zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Für die offenen Nischen übernimmt daher Gerhard Marcks die Aufgabe, weitere Figuren im ähnlichen Stil mit individueller Ausprägung zu schaffen. Er gestaltet sechs Figuren, sodass die Gemeinschaft der Heiligen heute aus insgesamt neun Einzelplastiken besteht, die wie ein Figurenfries in einer Reihe oberhalb des Eingangsportals aufgestellt sind.

Gerhard Marcks ergänzt die von Ernst Barlach auf der linken Seite begonnene Reihe durch sechs weitere Arbeiten: Christus als Schmerzensmann, Der Brandstifter, Die Jungfrau, Mutter und Kind, Kassandra sowie Der Prophet. Die erste Figur steht einzeln zwischen den beiden hohen Fenstern, die übrigen fünf in einer Gruppe auf der rechten Seite. Ähnlich wie bei den bereits vorhandenen Figuren von Barlach, sind auch hier unterschiedliche Formen des menschlichen Lebens, Leidens und Suchen dargestellt – der finstere Brandstifter steht neben der entrückten Jungfrau.

Künstler/in

Gerhard Marcks wurde am 18. November1889 in Berlin geboren. Seine frühen autodidaktischen Fähigkeiten durch Studien im Zoologischen Garten von Berlin, die ihn u.a. auch zu Tierplastiken aus Porzellan brachten, mündeten später in eine Ateliergemeinschaft mit den Bildhauern Richard Scheibe, Georg Kolbe sowie Max Adolf Pfeiffer. 1914 war er an Ausstellungen der Berliner Secession und des Deutschen Werkbundes beteiligt. 1919 wurde er an das staatliche Bauhaus in Weimar berufen, um dann ab 1920 Leiter der Töpferei in Dornburg (Saale) zu werden. In dieser Zeit begann, durch die Freundschaft zu Lyonel Feininger, auch seine Beschäftigung mit der Lithografie. Ab 1925 wurde er Lehrer der Bildhauerklasse der Kunstgewerbeschule Giebichstein (bei Halle) und später ihr Direktor. 1928 erhielt er den Villa Romana Preis. 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten seine Werke, worauf er nach der Ausstellung „Entartete Kunst“ Ausstellungsverbot erhielt. Er zog nach Ahrenshoop in Mecklenburg. 1935 war er als Studiengast fünf Monate in der Villa Massimo in Rom. 1951 wurde er in den ersten Vorstand des wiedergegründeten Deutschen Künstlerbundes gewählt. Mit seinem Umzug nach Köln-Müngersdorf 1950 arbeitete als freier Bildhauer, stellte im In- und Ausland aus und war aktiv mit seinen Kunstwerken im öffentlichen Raum vertreten. Er war Teilnehmer der Biennale in Venedig sowie an der documenta I bis III (1955–1964) in Kassel. 1969 wurde die Gerhard-Marcks-Stiftung in Bremen eingerichtet. Er starb am 13.November 1981 in Burgbrohl, Eifel. Sein künstlerischer Nachlass wird von der Gerhard-Marcks-Stiftung in Bremen verwaltet.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Galerie

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