Markus Lüpertz:
Tympanonfenster

Markus Lüpertz: Tympanonfenster (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Markus Lüpertz: Tympanonfenster (2002)
St. Marienkirche, Marienkirchhof 1, 23552 Lübeck

Beschreibung

Der 1463 in der Kirche zu St. Marien zu Lübeck entstandene Totentanzfries als fortlaufende Bilderwand mit einer Länge von fast 30 Metern und einer Höhe von zwei Metern erinnert an die verheerenden Folgen der Pest, der unzählige Menschen in ganz Europa zum Opfer fielen. Beim Luftangriff auf Lübeck 1942 wird der Fries vollständig zerstört. 1955/56 erstellt der Grafiker Alfred Mahlau gemeinsam mit dem Lübecker Glasermeister Carl Berkentien (1870–1952) zwei jeweils rund 12 Meter hohe Totentanzfenster, die das historische Motiv neu interpretieren. Im Jahr 2002 setzt sich auch der Maler, Bildhauer und Grafiker Markus Lüpertz in eigener und moderner Interpretation mit dem Motiv auseinander. Seine Version ziert nun das kleinere Tympanonfenster über dem Nordportal der Totentanzkapelle – unterhalb des linken Fensters von Alfred Mahlau.

Ähnlich wie bei den beiden Vorgängern ist auch im Fenster von Markus Lüpertz der Totenkopf das zentrale Element. Die grafische Umsetzung des Bildes mit seinen kräftigen Farbakzenten sowie der symbolischen Übersetzung weicht jedoch von den beiden älteren figürlichen Darstellungen ab, sodass hier mehr Raum für eigene Interpretationen verbleibt.

Künstler/in

Markus Lüpertz wurde am 25. April 1941 in Reichenberg, heute Liberec/Tschechische Republik, geboren. Bereits als Jugendlicher kam er nach Deutschland, um 1956–63 an der Werkkunstschule Krefeld bei Laurens Goosens und anschließend an der Kunstakademie Düsseldorf zu studieren, bevor er 1962 nach Berlin zog. Die Auseinandersetzung in den Jahren 1969–77 mit der deutschen Geschichte sowie die Beschäftigung mit der griechischen Mythologie gehören zu seinen großen künstlerischen Themen. Die teils abstrakten und figürlichen menschlichen wie tierischen Motive formt er in überdimensionalen und tonnenschweren Skulpturen und betont dabei Köpfe und Gesichter. Der Kult um seine eigene Person, bei der er sich selbst als Genie sieht und bei seinem Auftreten mit Gehrock und versilbertem Gehstock, soll dabei der Öffentlichkeit bewusst ein Bild von sich vermitteln. 1973–75 war er im Vorstand des Deutschen Künstlerbundes. Er erhielt 1970 den Preis der Villa Romana und nahm 1976 eine Professur an der Akademie in Karlsruhe an. Neben seiner Arbeit in den verschiedenen grafischen Drucktechniken ist er auch als Dichter und seit 1980 als Bühnenbildner und Bildhauer aktiv. 1982 nahm er an der documenta VII in Kassel teil. 1986 wurde er an die Kunstakademie Düsseldorf berufen, die er dann ab 1988 20 Jahre als Rektor leitete. 1990 erhielt Lüpertz den Lovis-Corinth-Preis und wurde 2016 zum Ehrenbürger von Liberec, seiner Heimatstadt, ernannt. Markus Lüppertz lebt und arbeitet in Düsseldorf, in Karlsruhe und in der Nähe von Berlin.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Galerie

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