Friedrich Wield:
Ätherwelle

Friedrich Wield: Ätherwelle (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Friedrich Wield: Ätherwelle (Bronze, 1931–33)
NDR, Rothenbaumchaussee 122, Ecke Werderstraße, 20149 Hamburg (Harvestehude)

Beschreibung

Seit 2016 steht vor dem Funkhaus des Norddeutschen Rundfunks ein Denkmal für den Hamburger Physiker Heinrich Hertz (1857–1894), der mit seinen Forschungsergebnissen als Pionier der Radioentwicklung gilt. Den Auftrag für das Denkmal erhält Friedrich Wield bereits 1931, doch als zwei Jahre später die Gipsform fertig ist, lehnen die neuen Machthaber der Stadt ein Denkmal für den jüdischen Physiker – und wohl auch die moderne künstlerische Ausführung – ab und verweigern dem Künstler das vereinbarte Honorar. Das Werk wird nicht ausgeführt und gerät in Vergessenheit. Rund fünfzig Jahre später bemüht sich der Erbe und Nachlassverwalter des Bildhauers, Boris Kegel-Konietzko, um eine verspätete Ausführung. Die Stadt Hamburg beauftragt Manfred Sihle-Wissel, das Gipsmodell zu restaurieren, um daraus einen Guss erstellen zu lassen. 1994 wird die Plastik am Alsterufer im Eichenpark aufgestellt, bis gute zwanzig Jahre später dann die Umsetzung an den ursprünglich geplanten Ort erfolgt, der der Bedeutung der Skulptur besser entspricht als die Grünanlage.

Das Denkmal spricht eine ungewohnte Sprache, denn es zeigt nicht den geehrten Wissenschaftler in Form einer Büste oder Statue, sondern zwei menschliche Körper in fließender Bewegung. Diese Bewegungen der beiden Körper – eine kauernde Frauengestalt und eine schwebende männliche Figur mit ausgebreiteten Armen – erinnern an den Verlauf von Tonwellen. Der abstrakt-technische Vorgang von Beschleunigung und Bewegung wird von den Personen dynamisch dargestellt. Wie viele andere Künstler seiner Zeit auch, löst sich Friedrich Wield in seiner Arbeit von der Abbildung der unmittelbaren Umwelt und schöpft stattdessen stärker aus der eigenen Fantasie, um mit einem autonomen Kunstwerk die Sinne des Publikums stärker anzuregen als ein klassisches Denkmal es vermag.

Künstler/in

Friedrich Ernst Martin Wield wurde am 15. März 1880 in Hamburg geboren. Ab 1896 machte er eine Bildhauerlehre bei Walter Zehle in Hamburg, bevor er nach einem Studienaufenthalt in Paris 1900–1903 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Wilhelm Ruemann absolvierte. 1905–1914 bezog er sein eigenes Atelier in Paris, unternahm in dieser Zeit auch eine Reise nach Italien und stellte 1909 in der Société Nationale des Beaux-Arts aus. Nachdem er mit Beginn des ersten Weltkrieges Frankreich verlassen musste, ging er nach Winterthur (Schweiz) und leistete 1915–1918 Kriegsdienst. Er gehörte ab 1919 zu den Gründungsmitgliedern der Hamburger Session und war bis 1922 deren Vorsitzender, war Mitglied im Hamburger Kunstverein von 1832, ab 1922 Mitglied des Deutschen Künstlerbundes sowie der Hamburgischen Künstlerschaft. Freiplastiken nach antikem Vorbild bestimmten sein künstlerisches Werk. Die Stadt Hamburg beauftragte ihn mit einer Vielzahl von Denkmälern und Skulpturen. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten schränkten seine schöpferische Kraft und finanziellen Möglichkeiten dermaßen ein, dass er seine Arbeiten nicht fortsetzen konnte, woraufhin Friedrich Ernst Martin Wield am 10. Juni 1940 in Hamburg durch Freitod aus dem Leben schied.

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Galerie

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