Gerhard Marcks:
Verwundeter Achill

Gerhard Marcks: Achill (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2020)

Daten zum Werk

Gerhard Marcks: Verwundeter Achill (1969, Bronze)
Bellevue 35, 22301 Hamburg (Winterhude)

Beschreibung

Nach der griechischen Mythologie war Achill ein tapferer und nahezu unverwundbarer Held im Trojanischen Krieg, der für seine Stärke und seine Erfolge gerühmt wurde. Seinen Tod fand er erst, als seine verwundbare Stelle – die Achillesferse – von einem Pfeil getroffen wurde. Gerhard Marcks stellt in seiner Bronzeplastik nicht den strahlenden Held dar, sondern den sterbenden. Der junge Kämpfer ist auf die Knie gesunken, sein Körper zieht sich zusammen und die linke Hand weist zum verwundeten Fuß. Die Darstellung ist reduziert, sodass weder die Rüstung noch der Pfeil dargestellt werden – der Künstler konzentriert sich vollkommen auf die Haltung des nackten Körpers. Das Scheitern findet seinen Ausdruck darin, dass sich alle Teile des Körpers nach innen ziehen, während zuvor im Kampf noch alles nach außen gerichtet war. Der Oberkörper ist gebeugt, der Kopf geneigt, die Unterschenkel überkreuzt. Die ganze Kraft scheint aus dem Körper zu weichen, und die Verletzlichkeit des Lebens wird offenbar. Die Darstellung hat eine stark räumliche Wirkung und lädt dazu ein, sie aus unterschiedlichen Perspektiven zu erkunden.

Text: jp

Person

Gerhard Marcks
Gerhard Marcks wurde am 18. November 1889 in Berlin geboren. Seine frühen autodidaktischen Fähigkeiten durch Studien im Zoologischen Garten von Berlin, die ihn u.a. auch zu Tierplastiken aus Porzellan brachten, mündeten später in eine Ateliergemeinschaft mit den Bildhauern Richard Scheibe, Georg Kolbe sowie Max Adolf Pfeiffer. 1914 war er an Ausstellungen der Berliner Secession und des Deutschen Werkbundes beteiligt. 1919 wurde er an das staatliche Bauhaus in Weimar berufen, um dann ab 1920 Leiter der Töpferei in Dornburg (Saale) zu werden. In dieser Zeit begann, durch die Freundschaft zu Lyonel Feininger, auch seine Beschäftigung mit der Lithografie. Ab 1925 wurde er Lehrer der Bildhauerklasse der Kunstgewerbeschule Giebichstein (bei Halle) und später ihr Direktor. 1928 erhielt er den Villa Romana Preis. 1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten seine Werke, worauf er nach der Ausstellung „Entartete Kunst“ Ausstellungsverbot erhielt. Er zog nach Ahrenshoop in Mecklenburg. 1935 war er als Studiengast fünf Monate in der Villa Massimo in Rom. 1945 erhielt er eine Professur an der Landeskunstschule in Hamburg. Aus der großen Zahl seiner Ehrungen und Preise sind u.a. die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main (1949), der seit 1740 verliehene Orden Pour le mérite (1952), der Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen (1954) sowie der Kunstpreis der Stadt Berlin (1955) zu nennen. Mit seinem Umzug nach Köln-Müngersdorf 1950 arbeitete er als freier Bildhauer, stellte seit 1914 im In- und Ausland aus und war mit seinen Kunstwerken im öffentlichen Raum vertreten. 1951 wurde er in den ersten Vorstand des wiedergegründeten Deutschen Künstlerbundes gewählt. Er war regelmäßiger Teilnehmer der Biennale in Venedig sowie an der documenta I bis III (1955–1964) in Kassel. 1969 wurde die Gerhard-Marcks-Stiftung in Bremen eingerichtet. Er starb am 13. November 1981 in Burgbrohl, Eifel. Sein künstlerischer Nachlass wird von der Gerhard-Marcks-Stiftung in Bremen verwaltet.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Text: hws

Galerie

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