Gustav Seitz:
Danae

Gustav Seitz: Danae (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Gustav Seitz: Danae (1968, Bronze)
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20251 Hamburg (Eppendorf)

Beschreibung

Im kleinen Skulpturengarten am Erika-Haus des UKE findet sich auf einem niedrigen Sockel die Bronzeplastik Danae von Gustav Seitz. Der Künstler, damals Professor an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste, zeigt eine liegende, nackte Frau in offenbar erregter Haltung. Die Darstellung bezieht sich auf die Geschichte der Danae in der griechischen Mythologie. Einer Weissagung zufolge soll Danaes Sohn einst ihren Vater töten, den König Arisios von Argos. Um Danaes Schwangerschaft zu verhindern, sperrt der König seine Tochter in einen bronzenen Käfig. Doch der lüsterne Gott Zeus findet einen Weg, die junge Frau mit Goldregen durch die Gitterstäbe hindurch zu besamen, sodass sie dennoch schwanger wird. Ihr Sohn Perseus wächst heran. Beim Spiel mit dem Diskus tötet er versehentlich seinen Großvater und erfüllt damit die Prophezeiung.

Gustav Seitz zeigt seine Figur in einem Moment höchster körperlicher Spannung. Der Kopf ist lustvoll zurückgeworfen, der Oberkörper richtet sich leicht auf. Die Beine öffnen sich leicht und sind ein wenig angewinkelt. Die Arme sind gestreckt, der ganze Körper öffnet sich und gibt sich hin. Nur in einem kleinen Punkt im Bereich des Beckens hat die Plastik Kontakt zum Sockel und scheint ansonsten beinahe zu schweben, angezogen durch den göttlichen Regen.

Die Bronzeplastik wurde 1968 für eine Aufstellung vor der neuen Frauenklinik gekauft. Viele Schwestern empfanden allerdings die Darstellung als anstößig und drohten mit Kündigung. So wurde sie stattdessen versteckt im kleinen Innenhof aufgestellt und verschämt hinter Büschen versteckt. Jahrzehnte später sollte die Plastik in den Garten am Erika-Haus umziehen. Erneut brach ein Sturm der Entrüstung los, es wurde gar gefordert, die Plastik einzuschmelzen. Kunsthistoriker und Denkmalpfleger setzten sich engagiert für den Erhalt ein und konnten die Plastik retten. Am neuen Standort mit anderen Kunstwerken findet die liegende Danae ihren künstlerischen Gegenpol in der Großen Liegenden von Barbara Haeger, sodass sie nun offenbar von den meisten Betrachtern mit anderen Augen gesehen und toleriert wird. Dennoch wurde bei der Neuaufstellung strikt darauf geachtet, dass der entblößte Schoß der Dame zur Häuserwand zeigt und somit den meisten Blicken verborgen bleibt.

Künstler/in

Gustav Seitz wurde am 11. September 1906 in Neckerau bei Mannheim geboren. Bis 1924 machte er eine Ausbildung beim Bildhauer August Dursy in Ludwigshafen. Gleichzeitig nahm er Unterricht im figürlichen Zeichnen und kunstgewerblichen Entwerfen beim Maler und Graphiker W. Murano an der Gewerbeschule Mannheim. Anschließend studierte er an der Landeskunstschule Karlsruhe, an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst Berlin bei Ludwig Gies und war ab 1928 Meisterschüler von Wilhelm Gerstel bzw. 1933–1938 bei Hugo Lederer. 1943 wurden Atelier und Wohnung in Berlin samt, seiner gesammelten Arbeiten zerstört. 1950–1958 lebte er in der DDR, zog dann 1958 nach Hamburg um und lehrte bis 1969 Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste. Seit 1955 stellte er Plastiken und Zeichnungen im In- und Ausland aus und seine Werke sind in vielen deutschen Sammlungen vertreten. Er reiste viel ins europäische Ausland und suchte dort Anregungen für seine Arbeiten. Er stellte auf der documenta II (1959) und III (1964) in Kassel und der Biennale in Venedig (1968) aus und war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Gustav Seitz starb am 26. Oktober 1969 in Hamburg.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Galerie

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