Hermann Blumenthal:
Großer Stehender

Hermann Blumenthal: Großer Stehender (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Hermann Blumenthal: Großer Stehender / Römischer Mann (1936/37, Bronze)
Christian-Albrechts-Universität, Otto-Hahn-Platz, 24118 Kiel

Beschreibung

Der Bildhauer Hermann Blumenthal gestaltet seine Skulptur Großer Stehender während eines Stipendiums an der Villa Massimo in Rom, weshalb sie auch als Römischer Mann oder Römischer Jüngling bezeichnet wird. Ein nackter junger Mann steht aufrecht, das linke Bein leicht nach vorne gestellt, die beiden Arme über dem Kopf gekreuzt. Der Künstler präsentiert kein individuelles Porträt, sondern eine gestraffte und verallgemeinerte Form. Den Kern der Darstellung bildet der Kopf der Figur, umrahmt von den beiden Armen. Als sichtbares Zeichen einer inneren Haltung ist die ausdrucksstarke, aufrechte Haltung des Körpers klar und konzentriert herausgearbeitet – ganz ohne die Zuhilfenahme einer zusätzlichen Bewegung.

Als das Werk 1936 entsteht, dominiert in der plastischen Kunst in Deutschland die Darstellung tatkräftiger und heldenhafter Übermenschen. Hiervon grenzt sich Blumenthals Skulptur klar ab, denn der schlanke Körper des heranwachsenden Mannes wirkt eher verletzlich und schutzlos. Statt Wehrhaftigkeit und Tatkraft eines gestählten Körpers symbolisiert die Skulptur die menschliche Stärke eines wachen und sensiblen Geistes.

Im Jahr 1955 erwirbt die Christian-Albrechts-Universität die Plastik zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Sie steht erhöht auf einem Steinsockel mit der Inschrift FIDEI HUMANITATI VIRTUTI / 1933–1945 (Der Tugend, der Menschlichkeit, der Stärke). Bewusst wird dabei mit Hermann Blumenthal ein Künstler gewählt, der selbst ein Opfer des Staates wurde, dessen Kunst behindert wurde und der im Kriegsdienst seinen Tod fand.

Künstler/in

Hermann Blumenthal wurde am 31. Dezember 1905 in Essen geboren. 1920–1924 absolvierte er eine Lehre als Steinbildhauer in Essen. 1925–1927 besuchte er die Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst beim Bildhauer Wilhelm Gerstel, sowie anschließend 1927–1931 bei Edwin Scharff, dessen Meisterschüler er 1929 wurde. Erstmals stellte er 1928 an der Preußischen Akademie der Künste aus. 1929 wurde er Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und erhielt den Preis der Stadt Köln. 1930 erhielt er den Großen Staatspreis für Bildhauer der Preußischen Akademie der Künste und ein Stipendium der Villa Massimo in Rom. Unter dem Eindruck antiker Kunst Vorklassen festigte sich sein an der Form orientierter Stil, der vor allem ruhige und klare Körperhaltungen mit sitzenden, knienden oder stehenden Personen zum Thema machte. Ende 1934 zog er in die Ateliergemeinschaft Klosterstraße in Berlin, wo er regen Austausch mit anderen Künstlern pflegte. Von offizieller Seite wurden seine Arbeiten kritisch gesehen, sodass er kaum seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. 1936/37 erhielt er erneut ein Stipendium in Rom und anschließend in Florenz. 1939 erhielt er den Cornelius-Preis der Stadt Düsseldorf. 1940 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Am 17. August 1942 fiel Hermann Blumenthal in Russland. Posthum war er 1955 Teilnehmer der documenta I in Kassel.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Galerie

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