Karl August Ohrt:
Gleichklang

Karl August Ohrt: Gleichklang (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2021)

Daten zum Werk

Karl August Ohrt: Gleichklang (1962, Granit)
Berliner Platz, 22045 Hamburg (Jenfeld)

Beschreibung

Als Anfang der 1960er Jahre die abstrakte Granitskulptur Gleichklang von Karl August Ohrt in der damaligen Neubausiedlung am Berliner Platz aufgestellt werden sollte, empörte sich das „gesunde Volksempfinden“. Der Schreiber eines Leserbriefes giftete: Dieses ‘Kunstwerk’ ist unnatürlich, beleidigt das Auge, schmerzt, ist pervers, sagt gar nichts … ¹ Möglicherweise verraten derartige Äußerungen mehr über den Zustand der Schreiber als über die kritisierte Kunst, doch wurden zur gleichen Zeit auch andere öffentlich aufgestellte Kunstwerke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler heftig angegriffen, etwa Arbeiten von Hans Martin Ruwoldt, Gustav Seitz oder Barbara Haeger. Aus heutiger Sicht mag man die Aufregung belächeln, doch zeigt sie das Grunddilemma von Kunst im öffentlichen Raum. Den Kosten steht kein unmittelbar messbarer Nutzen gegenüber, und zudem treffen sie in der Öffentlichkeit auf ein bunt gemischtes Publikum mit den unterschiedlichsten Erwartungen und Sichtweisen. Für die einen soll die Kunst schön und erbaulich sein, für die anderen kritisch, politisch, integrativ und vieles mehr. Kein einziges Kunstwerk kann alle Erwartungen und Aufgaben erfüllen, zumal sich diese allzu oft widersprechen, sodass der goldene Weg wohl darin liegen mag, eine möglichst große Bandbreite von Kunstwerken zu präsentieren.

Beim Gleichklang handelt es sich um einen reich gegliederten Körper in kubischer Formensprache, der durch die scharfen Kanten, die Vor- und Rücksprünge und den Durchbruch im Zentrum in einer spannungsvollen Balance steht. Der Ausdruck „Gleichklang“ bezeichnet in der Musik eine harmonisches Zusammenspiel. Er wird oft aber auch in Bezug auf Personen verwendet, die gut miteinander harmonieren. Mit viel Fantasie lässt sich die Skulptur auch als die Darstellung eines Paares beim Liebesspiel deuten.

¹ zitiert nach: Moderne Kunst: Lieber einen Gartenzwerg, Der Spiegel 41/1961

Text: jp

Person

Karl August Ohrt
Karl August Ohrt wurde am 20. Februar 1902 in Schönwalde bei Eutin geboren. Zunächst wurde er Landwirt. Mit 21 Jahren besuchte er die Klasse des Malers Julius Wohlers an der Landeskunstschule am Lerchenfeld. 1931–1932 absolvierte er zwei Semester Bildhauerei bei Richard Luksch, blieb aber weitgehend Autodidakt. Seine erste größere Plastik Tanzende Mädchen wurde 1935 in Hamburg aufgestellt, aber später von den Nationalsozialisten als entartet eingestuft. Nach dem Krieg wurde sie wieder am alten Standort im Stadtpark aufgestellt. Er war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und Teilnehmer an mehreren DKB-Jahresausstellungen. Als Auszeichnungen erhielt er 1961 den Edwin-Scharff-Preis und 1985 die Biermann-Ratjen-Medaille. Mehrere Arbeiten von ihm stehen im Hamburger Raum. Am 5. Oktober 1993 starb Karl August Ohrt in Hamburg.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Text: hws

Galerie

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