Richard Emil Kuöhl:
76er Denkmal

Richard Emil Kuöhl: Ehrenmal, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2018)

Daten zum Werk

Richard Emil Kuöhl: 76er Denkmal (Muschelkalk, 1936)
Stephansplatz / Dammtordamm, 20354 Hamburg (Neustadt)

Beschreibung

Ehrenmale und Mahnmale zum Gedenken an Kriege sind seit jeher im öffentlichen Raum ein wichtiges Thema. Manche erinnern an siegreiche Schlachten, andere an die Opfer unter den Soldaten und in der Bevölkerung. Häufig wird über die Mahnmale gestritten, entweder seien sie nicht ehrenhaft genug oder aber zu unkritisch. Doch egal wie man über die unterschiedlichen Formen der Erinnerung denkt, erfüllen sie einen wichtigen Zweck: Sie erinnern uns alle daran, dass der Frieden nicht selbstverständlich ist, uns sie fordern uns heraus, Stellung zu beziehen und uns eine Meinung zu bilden.

Am Hamburger Dammtor wird 1936 auf Initiative des Traditionsvereins des in Hamburg stationierten 76. Infanterieregiments das aus einem Wettbewerb hervorgegangene Denkmal von Richard Emil Kuöhl eingeweiht. Anders als Ernst Barlachs Mahnmal am Rathaus erinnert es nicht an die Opfer des Krieges, sondern stellt die kämpfenden Soldaten in den Mittelpunkt. Das Monument besteht aus einem sieben Meter hohen Quader, der an allen vier Seiten im unteren Bereich von einem halbplastischen Figurenrelief umgeben ist: 88 Soldaten mit geschulterten Gewehren marschieren in Viererreihen einmal rundum. Durch die gleichförmige Reihung und die perspektivische Überlagerung entsteht der Eindruck einer noch viel größeren Masse von Menschen – ein bewusst gestaltetes Symbol von Stärke. Der einzelne Mensch geht in der Menge auf und ist Teil einer größeren und umfassenden Kraft. Der Schriftzug „Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen“ auf der dem Park zugewandten Seite ist einem Gedicht von Heinrich Lersch entnommen.

Die glorifizierende Darstellung des Krieges und die fehlende Distanz rufen vor allem nach den verheerenden Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs anhaltende Kritik hervor. Britische Besatzungsbehörden wollen es direkt nach dem Krieg sprengen lassen, was der Hamburger Denkmalrat verhindern kann. Nachdem in der 1970er Jahren die öffentliche Kritik am Denkmal immer lauter wird, schreibt der Senat einen Wettbewerb zur „künstlerischen Umgestaltung der Denkmalsanlage“ aus. 1983 beginnt der Wiener Bildhauer Alfred Hrdlicka mit einem vierteiligen Gegendenkmal, das allerdings wegen der steigenden Kosten nur in Teilen umgesetzt wird. 2015 wird zusätzlich ein drittes Denkmal eingeweiht: Das Deserteurdenkmal erinnert an die Opfer der NS-Militärjustiz.

Künstler/in

Richard Emil Kuöhl wurde am 31. Mai 1880 in Meißen geboren. Nach einer Ausbildung als Kunsttöpfer studierte er ab 1902 an der Dresdner Kunstgewerbeschule beim Bildhauer Karl Groß. Später folgte er seinem Lehrer aus Dresden Fritz Schumacher nach Hamburg, der u.a. für seine Backsteinbauten bekannt geworden ist, die Kuöhl dann in den folgenden Jahren mit Skulpturen ergänzend bestückte. Diese setzte er in Stein, Keramik und Terrakotta für Gebäude u.a. in Bad Oldesloe, Flensburg, Lübeck oder Hamburg sowie in Kunstobjekten auf Grabanlagen des Ohlsdorfer Friedhofs um. Er war Mitglied im Hamburger Kunstverein und 1919–1932 Mitglied der Hamburger Sezession, deren Jahresausstellung 1933 von den Nationalsozialisten zwangsgeschlossen wurde. Auch nach der Machtübernahme der NSDAP diente er den staatlichen Institutionen als Auftragnehmer wie beispielsweise mit dem Kriegerdenkmal in Hamburg, dem dann in den 1980er Jahren das Gegendenkmal des österreichischen Bildhauers Alfred Hrdlicka gegenübergestellt wurde. Er starb am 19. Mai 1961 in Rohlfshagen bei Bad Oldesloe.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Galerie

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