Sol LeWitt:
Black Form

Sol LeWitt: Black Form (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

Sol LeWitt: Pfahl im Fleische / Black Form – Dedicated to the Missing Jews
(gemauerte Gasbetonsteine, schwarze Farbe, 1987–89)
Rathaus Altona, Platz der Republik 1, 22765 Hamburg (Altona-Altstadt)

Beschreibung

Das prächtige, neoklassizistische Rathaus von 1898 ist ein architektonisches Schmuckstück in Altona. Doch wer es aus entsprechender Entfernung fotografieren möchte, wird von einer schwarzen Mauer gestört, die mit fünfeinhalb Metern Breite und zwei Metern Höhe mitten in der schönsten Sichtachse zum Rathaus steht. Diese Störung ist Programm, denn die „schwarze Form“ des amerikanischen Künstlers Sol LeWitt ist ein Mahnmal, das ganz bewusst im starken Kontrast zum repräsentativen Gebäude steht. Wie ein schwarzer Fleck irritiert es vor der blütenweißen Fassade und fordert als Makel die Aufmerksamkeit der Betrachter.

Das Mahnmal erinnert an die jüdische Gemeinde in Hamburg, deren Gebäude während der Zeit des Nationalsozialismus zerstört wurden und deren Mitglieder verfolgt und ermordet wurden. Und so kann der schwarze Fleck auch als eine optische Leerstelle im Bild gesehen werden, als habe jemand etwas ausradiert oder mit schwarzem Stift unkenntlich gemacht. Denn genau diese Leerstelle haben die Juden in der deutschen Gesellschaft hinterlassen, als sie vertrieben oder getötet wurden. Egal ob sie Wissenschaftler, Künstler, Geschäftsleute oder andere Bürger waren, sie haben ihren Teil zur Gesellschaft beigetragen und sie mit ihren Gedanken und ihrem Engagement bereichert – und wurden einfach ausradiert.

Der schlichte Block aus gemauerten Gasbetonsteinen, die anschließend mit schwarzer Farbe versehen wurden, ansonsten aber keine Inschrift enthalten, ist ein Werk der Konzeptkunst. Hier steht nicht die Schönheit oder handwerkliche Raffinesse im Blickpunkt, sondern die Irritation, die sich im Kopf der Betrachter abspielt.

Künstler/in

Unter dem Namen Solomon le Witt wurde der spätere Sol LeWitt am 9. September 1928 in Hartford, Connecticut geboren. In der Zeit von 1945 bis 1949 besuchte er die Syracuse-University in New York und nach Militärdienst ab 1953 die „Catoonist and Illustration School“ New York, bevor er 1953 als Grafiker für einen Architekten arbeitete. 1960–1965 war er am MoMa Art sowie 1964–1971 an verschiedenen Instituten wie u.a. dem „Museum of Arts School“, unterrichtete an der New York University und war Mitbegründer eines Buchverlages. Seine Konzeptkunst, basierend auf dem Konstruktivismus des Bauhauses sowie der niederländischen Künstlervereinigung De Stijl, entwickelte er mit experimentellen Minimalismus von Raum- und Rasterstrukturen aus Holz und Metall, teilweise auch direkt auf Papier gezeichnet oder auf Leinwand bzw. auf dem Boden gemalt, weiter. Deren Entwicklung, Theorie und konzeptionellen Ansatz hielt er in vielen Dokumentationen fest. 1965–2015 stellte er in Galerien und Museen in USA, Europa und so auch in Deutschland, aus. Sie sind in Sammlungen weltweit vertreten. Arbeiten im öffentlichen Raum findet man in vielen deutschen Städten, so unter anderem die „open cubes“ in Frankfurt am Main. Er war Teilnehmer der documenta IV (1968), V (1972), VI (1977) und VII (1982) in Kassel. Er lebte und arbeitete in Chester in Connecticut (USA) und in Bari (Italien). Sol LeWitt starb am 8. April 2007 in New York.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Galerie

(Bilder anklicken für Großansicht)