Ulrich Rückriem:
Monument für die Deportierten

Ulrich Rückriem: Monument für die Deportierten, (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2018)

Daten zum Werk

Ulrich Rückriem: Monument für die Deportierten (Finnischer Granit, 1983, Breite 2 m, Höhe 4 m, Tiefe 70 cm)
Moorweidenstraße / Edmund Siemers Allee, 20148 Hamburg (Rotherbaum)

Beschreibung

Monumental und minimalistisch zugleich ist das blockhafte Mahnmal an der Hamburger Moorweidenstraße zur Erinnerung an tausende jüdischer Frauen, Männer und Kinder, die sich 1941 und 1942 an diesem Ort für den Abtransport in die Vernichtungslager sammeln mussten. Ganz bewusst vermeidet der Künstler Ulrich Rückriem in seinem Werk im Auftrag der Kulturbehörde jede inhaltliche Aussage und rückt gerade dadurch die Sprachlosigkeit angesichts der Gräueltaten in den Mittelpunkt. Der 35 Tonnen schwere Granitblock ragt mehr als vier Meter in die Höhe und erscheint aus der Ferne als massiver Stein mit grob behauenen, geraden Seitenflächen. Erst beim Näherkommen und genauen Hinsehen zeigen sich die feinen Linien und Spaltlöcher, die den Block waagerecht und senkrecht gliedern: Der Stein ist sorgfältig in sieben Quader zerteilt und anschließend in der gleichen Weise wieder zusammengefügt. Damit ist die Unversehrtheit des Materials aufgehoben, ohne ihm zugleich eine neue Form zu geben. Die sparsamen bildhauerischen Eingriffe lassen klar die Spuren der Arbeit erkennen, dominieren aber nicht den Gesamteindruck des Werkes. Der Steinblock transportiert keine Aussage und stellt nichts dar, sondern will als eigenständiges Objekt gesehen werden, das die dreieckige Rasenfläche des Platzes mit in die Wirkung einbezieht.

Künstler/in

Ulrich Rückriem wurde am 30. September 1938 in Düsseldorf geboren. Nachdem er von 1957 bis 1959 eine Steinmetzlehre in Düren absolvierte, arbeitete an der Dombauhütte in Köln und studierte an den Kölner Werkschulen bei Ludwig Gies. Gleichzeitig begann er seine Tätigkeit als freischaffender Künstler. 1966/1967 trat er mit Skulpturen aus Holzbalken hervor, ab 1968 gestaltet er Steinskulpturen: Typischerweise teilt Rückriem einen Steinblock von stark reduzierter kubischer Form und setzt die Teile anschließend wieder zusammen. Der mit vielen Preisen ausgezeichnete Künstler erhielt u.a. 1973 den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Bildende Kunst und 1984 den Deutschen Kritikerpreis für den Bereich Bildende Kunst. 1963–1971 arbeitete er im Schloss Nörvenich, das seit 1980 das Museum Europäische Kunst beherbergt. 1974 wurde er Professor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, 1984 an der Kunstakademie Düsseldorf und 1988 an der Städelschule in Frankfurt am Main. Rückriems Arbeiten konnte man in einer Vielzahl von Einzel- und ab 1966 auch in Gruppenausstellungen sehen. Seine Arbeiten sind in internationalen Sammlungen und Museen vertreten. 1972, 1987 und 1992 nahm er an der documenta, 1978 an der Biennale in Venedig teil. 1994 wurden in Rommerskirchen-Sinsteden im Kreis Neuss die Skulpturen-Hallen Ulrich Rückriem eröffnet, in der mehr als 100 seiner Skulpturen zu sehen sind. Ulrich Rückriem lebt in London oder Köln.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Galerie

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