Edwin Scharff:
Drei Männer im Boot

Edwin Scharff: Drei Männer im Boot (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2020)

Daten zum Werk

Edwin Scharff: Drei Männer im Boot (1953, Bronze, Granitstele)
Schwanenwik 26, Grünanlage, 22087 Hamburg (Hohenfelde)

Beschreibung

Edwin Scharffs Bronzeplastik der Drei Männer im Boot auf einer hohen Stele aus großen Granitblöcken steht an der Schwanenwik und gehört zu den bekanntesten Kunstwerken der Hansestadt. Auf einem angedeuteten kleinen Boot stehen aufrecht drei Männer, sehr eng hintereinander, alle drei mit nach links erhobenem Ruder in der rechten Hand. Die Darstellung erinnert an venezianische Gondoliere, wären es nicht gleich drei Männer. Die auf Fernsicht gestaltete Plastik verzichtet auf Ausformung der Details zugunsten der Wirkung der Gesamtform. Wenngleich die Plastik reduziert figürlich gestaltet ist, entsteht aus der Ferne eine fast abstrakte Wirkung, die durch die Ausrichtung zum Wasser hin noch verstärkt wird. Denn so sind die Figuren für die meisten Betrachter nur von der Seite und von hinten sichtbar, während die Gesichter abgewendet sind. Die stark formalisierte Plastik inszeniert die Reihung dreier fast identischer Figuren zu einem Werk, das die künstlerische Aufbruchstimmung der Nachkriegszeit spiegelt, indem es figürliche und abstrahierende Bildformen vereint. Die Reihung lässt sich auch als eine zeitliche Abfolge lesen, als Bewegung einer einzelner Figur, die drei Zustände in einer Plastik vereint. Die Aufstellung erfolgte erst 1955 nach dem Tode des Künstlers. Die Ausrichtung zum Wasser hin und der Sockel wurden dabei von Edwin Scharffs Schüler Fritz Fleer festgelegt.

Im Skulpturenhof Mümmelmannsberg steht eine ganz ähnliche Arbeit des Künstlers: Mann im Boot. Diese Plastik ist als ein verkleinertes und variiertes Fragment der drei Männer zu erkennen, bei dem die hinterste Figur entfernt wurde und die mittlere nur angedeutet. Auch Arme und Ruder fehlen hier. So entsteht eine sehr viel stärker abstrakte und geheimnisvollere Wirkung.

Text: jp

Künstler:in

Edwin Scharff
Edwin Scharff wurde am 21.März 1887 in Neu-Ulm geboren. 1903–1907 studierte er an der Königlichen Akademie der Künste Malerei bei Ludwig von Herterich. Aus dieser Zeit entstanden 1908 erste Bildhauerarbeiten und ab 1908 Radierungen zum Thema Träume. Nach einem Aufenthalt in Paris im Jahr 1912–1913 wechselte er zur Bildhauerei. 1937 wurde er vom Lehramt beurlaubt, seine Werke als entartete Kunst diffamiert und viele seiner Arbeiten vernichtet. 1927 wurde er zum Vizepräsidenten des Deutschen Künstlerbundes gewählt und gehörte dieser Vereinigung auch nach dem 2. Weltkrieg u.a. 1951–1955 als Vorstands- und als Jurymitglied an. Die Preußische Akademie der Künste berief ihn 1931 gemeinsam mit Otto Dix, Ernst-Ludwig Kirchner, Emil Nolde u. a. zu ihrem Mitglied. Von 1946 -1955 an unterrichtete er an der Landeskunstschule in Hamburg. Thematisch bestimmen sein Werk Pferde- und Menschendarstellungen in humanistischen Traditionen. Seine Formensprache liegt zwischen stilisierender, expressiver und kubistischer Darstellung. Neben vielen Ausstellungen waren seine Werke auf der documenta I (1955) und documenta II (1959) in Kassel zu sehen. Der 1955 von der Stadt Hamburg gestiftete jährlich vergebene Edwin-Scharff-Preis erinnert an ihn. Er starb am 18. Mai 1955 in Hamburg.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Text: hws

Galerie

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