Gerhard Marcks:
Mahnmal für die Opfer des Bombenkriegs

Gerhard Marcks: Mahnmal für die Opfer des Bombenkriegs (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2021)

Daten zum Werk

Gerhard Marcks: Mahnmal für die Opfer des Bombenkriegs (1948–52, Figuren: Oberkirchner Sandstein, Umbau/Cella: Elmer Sandstein, Schmiedeeisen, Ausführung: Alfons Droll/Johannes Bursch)
Friedhof Ohlsdorf, Fuhlsbüttler Straße 756, 22337 Hamburg (Ohlsdorf)

Beschreibung

Das 1952 eingeweihte Mahnmal befindet sich am Ort einer Massengrabstelle auf dem Friedhof Ohlsdorf. Nach den allierten Luftangriffen, dem sogenannten „Feuersturm“, im Sommer 1943 waren rund 37.000 Opfer zu beklagen. Häftlinge aus dem KZ Neuengamme wurden gezwungen, die Toten zu bergen und im Massengrab zu bestatten, welches sich kreuzförmig mit rund hundert Meter langen Armen erstreckt. Im Mittelpunkt der Gedenkstätte steht ein offener, quadratischer Bau aus hellem Sandstein. Im Inneren steht in einer flachen Rundbogennische eine überlebensgroße Figurengruppe nach einem Entwurf von Gerhard Marcks. Zu sehen ist der Fährmann Charon aus der griechischen Mythologie, der in seinem Kahn eine Gruppe von Personen hinüber ins Totenreich führt: zwei ältere Männer, ein junges Brautpaar sowie eine Mutter mit Kind. Alt und jung sind gleichermaßen betroffen. Vier der sechs Passagiere ertragen die Fahrt sprachlos und ohne sichtbare Regung während das Kind und der eine Mann ihre Verzeiflung offen zeigen. Grausame Züge zeigt der Fährmann, der eine Haltung zwischen Gleichgültigkeit und Zynismus zur Schau trägt. Gerhard Marcks äußerte zur dieser Figurengruppe, dass sie keinen Trost spenden solle, weil ihm angesichts der großen Zahl der Opfer eine Trostspendung frivol erscheine.

Text: jp

Person

Gerhard Marcks
Gerhard Marcks wurde am 18. Februar 1889 in Berlin geboren. Nach dem Abitur wandte er sich ab 1907 als Autodidakt der Bildhauerei zu. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er 1918 an die Kunstgewerbeschule in Berlin berufen und 1919 an das Staatliche Bauhaus in Weimar. Nach der Auflösung des Weimarer Bauhauses folgte 1925 die Berufung an die Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale, deren stellvertretender Leiter er 1930 wurde. Unter den neuen Machthabern wurde er 1933 aus dem Lehramt entlassen und erhielt ab 1937 Ausstellungsverbot. Im Krieg wurde 1943 sein Atelier in Berlin vernichtet. 1945 erfolgte die Berufung an die Kunsthochschule in Hamburg. Ab 1950 war er in Köln als freier Bildhauer und Grafiker tätig. Zahlreiche Reisen ab 1925 führten ihn u.a. nach Italien, Griechenland, Spanien, aber auch in die USA und nach Mexiko. Ebenso pflegte er Freundschaften zu einer größeren Zahl renommierter Künstler. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. 1928 den Preis der Villa Romana, 1949 die die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main und 1952 den Orden Pour le mérite. Wiederholt war er Teilnehmer der Biennale in Venedig (1930, 1952, 1976) und der documenta in Kassel (1955, 1959, 1964). Im Laufe seines künstlerischen Lebens nahm er zahlreiche Impulse verschiedener Kunstrichtungen auf und vereinte in seinen Werken die Gegensätze. Werke finden sich im öffentlichen Raum sowie in Galerien und Museen verschiedener Länder. 1971 wurde das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen eröffnet, das heute seinen künstlerischen Nachlass verwaltet. Gerhard Marcks starb am 13. November 1981 in Burgbrohl/Eifel und wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg bestattet.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Text: jp

Galerie

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