Gustav Seitz:
Käthe Kollwitz

Gustav Seitz: Käthe Kollwitz (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2020)

Daten zum Werk

Gustav Seitz: Käthe Kollwitz (1965, Bronze)
Daniel-Schutte-Stift, Holitzberg 89, 22417 Hamburg (Langenhorn)

Beschreibung

Käthe Kollwitz (1867–1945) zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Werk ist gekennzeichnet durch einen strengen Realismus, der auch die düsteren Seiten des Lebens darstellt. 1956 erhält Gustav Seitz vom Magistrat von Berlin den Auftrag für ein Ehrenmal. Er zeichnet und modelliert verschiedene Varianten, die die Künstlerin als sitzende Frau zeigen. Im Juli 1958 ist die 2,10 Meter hohe Plastik fertig für den Bronzeguss. Da Gustav Seitz kurz darauf die DDR verlässt und in Hamburg den Lehrstuhl für Bildhauerei annimmt, droht man verärgert, auf die endgültige Ausführung des Denkmals zu verzichten. Doch 1960 wird die Bronzefigur tatsächlich am Kollwitzplatz aufgestellt – allerdings ohne den Künstler hierüber zu informieren. 1988 wird nach dem originalen Gipsmodell ein zweiter Guss für den Skulpturenpark Magdeburg angefertigt. Eine verkleinerte Version steht seit 2015 am Gustav-Seitz-Museum beim Schloss Trebnitz. Die Bronzeplastik in Langenhorn ist ebenfalls deutlich kleiner als die Berliner Figur und formal stärker reduziert.

Gustav Seitz zitiert in seinem Ehrenmal ein lithographisches Selbstbildnis, das Käthe Kollwitz 1938 erstellt hat. Es zeigt eine alte Frau in sitzender Haltung mit gebeugtem Rücken und einer großen Zeichenmappe neben sich. Beim großen Ehrenmal hat sie einen Kohlestift in der Hand, welcher im kleinen Modell fehlt. Die Skulptur ist auf die wesentlichen Elemente reduziert und vermeidet jeden Anflug von idealisierter oder monumentaler Darstellung. Die Formen des Körpers sind durch die sitzende Haltung und das lange Gewand nur erahnen. Im kleinen Modell scheinen selbst die Hände und Arme fast mit dem Gewand zu verschmelzen.

Künstler:in

Gustav Seitz wurde am 11. September 1906 in Neckerau bei Mannheim geboren. Bis 1924 machte er eine Ausbildung beim Bildhauer August Dursy in Ludwigshafen. Gleichzeitig nahm er Unterricht im figürlichen Zeichnen und kunstgewerblichen Entwerfen beim Maler und Graphiker W. Murano an der Gewerbeschule Mannheim. Anschließend studierte er an der Landeskunstschule Karlsruhe, an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst Berlin bei Ludwig Gies und war ab 1928 Meisterschüler von Wilhelm Gerstel bzw. 1933–1938 bei Hugo Lederer. 1943 wurden Atelier und Wohnung in Berlin samt, seiner gesammelten Arbeiten zerstört. 1950–1958 lebte er in der DDR, zog dann 1958 nach Hamburg um und lehrte bis 1969 Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste. Seit 1955 stellte er Plastiken und Zeichnungen im In- und Ausland aus und seine Werke sind in vielen deutschen Sammlungen vertreten. Er reiste viel ins europäische Ausland und suchte dort Anregungen für seine Arbeiten. Er stellte auf der documenta II (1959) und III (1964) in Kassel und der Biennale in Venedig (1968) aus und war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes. Gustav Seitz starb am 26. Oktober 1969 in Hamburg.

Weitere Informationen (extern):Website Wikipedia

Galerie

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