A. R. Penck:
Theorie in Hamburg

A. R. Penck: Theorie in Hamburg (Foto: KUNST@SH/Jan Petersen, 2019)

Daten zum Werk

A. R. Penck: Theorie in Hamburg, NÄHE FERN gesehen, FERNE nahgesehen, WELT GESCHEHEN, WELT VERSTEHEN (1989, Wandbild 18 x 25 Meter)
Campus der Universität, Schlüterstraße 5, Giebelwand, 20146 Hamburg (Rotherbaum)

Beschreibung

Mit einer Höhe von 25 Metern wäre das Wandbild von A. R. Penck auf dem Unicampus kaum zu übersehen, würde nicht ein hoher Baum die Sicht stark einschränken. Wer gerade im Sommer einen Blick auf das Bild werfen möchte, entdeckt immer nur Ausschnitte daraus, die je nach Standort wechseln. Dies entspricht jedoch der ohnehin üblichen Wahrnehmung des Bildes, denn wie ein überdimensionales Graffito zeigt die ausbalancierte Komposition eine Fülle von Figuren, Symbolen und weiteren Elementen, die kaum im Ganzen zu erfassen sind, sondern Stück für Stück und in Ruhe erkundet werden wollen. Und so ist eine schrittweise Entdeckungsreise über die Wand ausdrücklich gewünscht.

Der lyrische Titel Theorie in Hamburg, NÄHE FERN gesehen, FERNE nahgesehen, WELT GESCHEHEN, WELT VERSTEHEN spiegelt dies, denn auch unsere Umwelt können wir Menschen nie im Ganzen erfassen und verstehen, sondern immer nur in kleinen Ausschnitten. Aus diesen Details, die wir im Laufe unseres Lebens in uns aufnehmen, bilden wir unsere eigenen Theorien über die Welt. Den Blick aus der Ferne und den Blick aus der Nähe nutzen wir, um aus vielen kleinen Eindrücken unser Weltbild zu schaffen. Ob unser Blick nun wissenschaftlich und erkenntnistheoretisch geprägt ist – wie an der Universität – oder von der Alltagswahrnehmung bestimmt, spielt dabei keine wesentliche Rolle.

In seinem Bild lädt der Künstler dazu ein, die einzelnen Elemente zu entschlüsseln und zueinander in Beziehung zu setzen, um auf diese Weise eine eigene Ordnung ins Chaos zu bringen. Einer eindeutigen Interpretation entzieht sich das Werk wie jedes gute Kunstwerk und wie auch das Leben selbst. Stattdessen erlaubt es in seiner Offenheit vielfältige Zugänge, Deutungen und Assoziationen. Kern des Werkes ist folglich weniger der unmittelbar dargestellte Inhalt als vielmehr das Spiel mit der Wahrnehmung und Interpretation und die Verknüpfung mit der eigenen Erfahrung.

Künstler/in

A.R. Penck, eigentlich Ralf Winkler (mit vielen weiteren Synonymen), wurde am 5. Oktober 1939 in Dresden geboren. Der Autodidakt nahm 1953 bis 1954 Mal- und Zeichenunterricht bei Jürgen Böttcher und wurde Mitglied der Künstlergruppe Erste Phalanx Nedserd. 1955–1956 war er als Zeichner bei der DEWAG angestellt. Seit 1956 hatte er sich an Hochschulen wie der von Dresden, Berlin als auch Verbänden wie dem Verband der Bildenden Künstler der DDR als Mitglied beworben, die allesamt, auch und vor allem im Disput mit dem Ministerium für Staatssicherheit verwehrt wurden. „Strichmännchen“ und an archaische grafische Bildzeichen erinnernde Symbole machten das Werk des Malers, Grafikers und Bildhauers bekannt. Seine Arbeiten sind Bestandteil vieler Sammlungen wie u.a. das Städel in Frankfurt, im MoMa in Frankfurt a.M., im MoMa in New York, die Pinakothek in München als auch das Museum Louisiana in der Nähe von Kopenhagen. Er war Teilnehmer der documenta V (1972), docuemnta VII (1982) und documenta IX (1992). Am 3. August 1980 wurde er ausgebürgert und zog zunächst nach Kerpen bei Köln um. 1981 verlieh ihm die Goethe-Stiftung in Basel den Rembrandt-Preis. 1983 zog A.R. Penck nach London und bekam 1985 den Kunstpreis Aachen verliehen. 1988 wurde er Professor für Malerei an der Kunstakademie in Düsseldorf. 2003, nach seiner Emeritierung, lebte und arbeitete A.R. Penck in Dublin, Irland. A. R. Penck starb am 2. Mai 2017 in Zürich.

Weitere Informationen (extern):Wikipedia

Galerie

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